Am Freitag, dem 21.08.09 war es endlich soweit. Nach jahrelanger Vorbereitung und Arbeit wurde das Naturprojekt "Wisent-Wildnis Rothaargebirge" der Öffentlichkeit vorgestellt. Zahlreiche Einheimische und Gäste folgten der Einladung zur Info-Exkursion in Form einer geführten Wanderung durch das Gebiet des geplanten Schaugeheges zwischen Wingeshausen und Jagdhaus, westlich der K42.


Die interessierten Bürger wurden von Forstdirektor i.P. Johannes Röhl, Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann, Landrat Paul Breuer und Edgar Reisinger, dem Vorsitzenden des Taurus Naturentwicklung e.V. herzlichst begrüßt. Unter anderem wurde die Wandergruppe von Frau Doris Herrmann durch einen Teil des geplanten Schau- und Erlebnisgeheges geführt. An verschiedenen Stationen machte die Landschaftsarchitektin aus Wilnsdorf halt und erläuterte, was an den einzelnen Standorten vorgesehen ist.


Es soll hier ein Erlebnisgehege entstehen, wo die Wisente leben können und der Mensch zu Gast sein darf. Dafür wird auch eine Holzbrücke gebaut, worüber die Wisente laufen und wo die Besucher drunter her gehen können. Die Wisente gelten als große, scheue Pflanzenfresser und gehen uns Menschen aus dem Weg. Das zeigen Erfahrungen aus anderen Regionen Europas. Mit dem Schaugehege, welches nahe dem eigentlichen Projektgebiet liegt, will man dafür sorgen, dass die Besucher auf jeden Fall die großen, friedlichen Tiere beobachten können. Am Eingang des Erlebnisschaugeheges ist ein Wisent-Informationszentrum und ein großer Parkplatz geplant. Auf Grund der Einzigartigkeit des Projektes rechnet Paul Breuer mit 75.000 Touristen im Jahr.


Im Anschluß an die Wanderung fand das eigentliche Wisent-Forum in der Schützenhalle in Wingeshausen statt. Der Vorsitzende des Vereins "Wisent-Wildnis-Wittgenstein e.V." Bernd Fuhrmann freute sich über das rege Interesse am Forum. Viel Wissenswertes über das Wildtier des Jahres 2008 und das Wisent-Projekt konnte man hier erfahren. Zum Beispiel, dass der Wisent noch heute auf der Liste der weltweit bedrohten Tiere steht, jedoch vor langer Zeit zur einheimischen Tierwelt gehörte. Die Initiative zu seiner Wiederansiedlung ging vom Fürstenhaus der Familie zu Sayn-Wittgenstein in Bad Berleburg aus. Ein Großteil der Auswilderungsfläche befindet sich in ihrem Besitz und wird von der Fürstenfamilie freundlicherweise für das Projekt zur Verfügung gestellt.


Bereits im kommenden Winter soll vorerst eine Gruppe von 8-12 Tieren im Naturschutzgebiet "Rothaarkamm am Grenzweg" ausgewildert werden. Durch das in Deutschland einzigartige Pilotprojekt erhofft man sich, die Region für den Tourismus noch attraktiver zu gestalten. Das Interesse von Naturschützern aus dem Ausland sowie sämtlicher europäischen Naturzeitschriften ist jetzt schon sehr groß. Das ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich handelt es sich um die erste nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten vorbereitete Wiederansiedlung der Wisente in einem dicht besiedelten westeuropäischen Land. Das idyllische Rothaargebirge ist deshalb für die Auswilderung der friedlichenTiere so hervorragend geeignet, weil es zu den am wenigsten zerschnittenen Landschaftsräume in NRW zählt.


