Was wäre ein Altweibersommer im Grünewald ohne den Mittelalterlichen Markt? Die Veranstalter hätten sich kein besseres Datum aussuchen können, als das des sonnigen 3. Wochendendes im September Anno 2009. Bereits Tage zuvor trafen die ersten Rittersleute ein und errichteten ihr Trosslager rund um den Grünewald. Was vor neun Jahren mit sechs Lagergruppen und zehn Ständen begann, entwickelte sich innerhalb mehrerer Jahre zu einer Erfolgsstory und zum Aushängeschild des Landgasthofes "Jagdstube Grünewald". Aus ganz Deutschland waren über 550 Darsteller angereist und alle waren sie standesgemäß gewandet; die Gaukler, Musikanten, Spielmänner, das fahrende Händlervolk, die Handwerkter, Schankwirte, Medicuse, Ritter und Edelleute.


Im Mittelpunkt des Grünewälder Striefs stand die Schlacht und Erstürmung der Trutzburg. Begleitet von Trommelwirbel und Kanonenschlag stürmten die kampfesmutigen Rittertrupps auf das Schlachtfeld. Bei strahlendem Sonnenschein lieferten sich kühne Ritter in schweren Rüstungen, mit Schwertern und Äxten ausgestattet, einen unerbittlichen Kampf um die Vorherrschaft auf der Trutzburg.



An anderer Stelle, zu anderer Zeit sorgte ein weiterer Programmpunkt für Aufsehen: Dr. Dr. Dr. Bombastus hatte vor der Bühne auf der Wiese seine Praxis eröffnet. Mehr oder weniger freiwillig begab sich dann Klosterbruder Leonardo in die fachkundigen Hände des stimmgewaltigen Quaksalbers. Dr. Dr. Dr. Bombastus versprach seinem Patienten den ungesunden Weinstein aus seinem Körper zu vertreiben. Die Prozedur aus kurioser Körperspülung und dem Drehen des Kopfes mehrmals um die eigene Achse verhalfen dem Patienten zu einem völlig neuen Körpergefühl. Dem amüsierten Publikum gab Dr. Dr. Dr. Bombastus allerhand gesundheitserhaltende Tipps mit auf den Weg und das Gefühl sehr gut unterhalten worden zu sein.


Für eine handvoll Taler konnte man an den rund 35 Ständen so Manches erwerben, was das Edelfrauenherz höher schlagen ließ. Von mittelalterlichen Musik-CDs über liebevoll genähte Gewänder bis hin zu Hollunderwein und Schreibfedern in allen Formen und Farben war die Auswahl groß. Mal ordentlich auf den Tisch gehauen wurde am Filzstand, nämlich der bunte Filz, zum Beispiel mit dem Satz "Immer muss ich den Müll runter tragen!" und "Das Katzenklo ist auch schon wieder voll!", denn wenn man so richtig wütend ist klappt es am besten - das Filzen. Die entstanden Filzbilder werden sicher so manches Kinderzimmer in Erinnerung an den schönen Tag schmücken.



Überall war Kurzweil angesagt, z.B. durch das Stelzentheater Spiritus Sancti oder die mittelalterlliche Gruppe Terra Hossa, welche die Besucher mit vorzüglicher Musik und Zauberei fesselte. Mit den passenden mittelalterlichen Klängen von Dudelsack und Trommel unterhielt auch die Gruppe Galensang die Zuschauer auf dem Gelände des Gasthofes. Die abendliche Feuershow sorgte zu später Stunde für einen gebührenden Abschluss eines abwechslungsreichen Wochenendes. Danach verschwand das Dorf aus weißen Leinenzelten wieder Stück für Stück bis im nächsten Jahr.


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