"Die Spannung der Zuschauer war auf dem Höhepunkt - die Spannung im Zaun war nicht vorhanden",
so der Kommentar von Johannes Röhl, Forstdirektor der Wittgenstein-Berleburg´schen Rentkammer, als er sich am Abend des 24.03.2010 im Bürgerhaus Berleburg zu dem Zwischenfall mit "Egnar" im Wisentgehege äußerte.


Der dreijährige Wisentbulle Egnar aus Hardehausen hatte nach seiner Ankunft im Eingewöhnungsgehege die Gunst des Augenblickes für sich genutzt und rannte im Vollgalopp durch einen Zaun welcher noch nicht unter Spannung stand. Weiter ging es dann einen Hang hinab bis er sich anschließend ein ruhiges Plätzchen auf einer nahegelegenen Wiese suchte. Ob ihm sein neues Gehege nicht gefiel oder ob ihn die vielen Zuschauer irritierten, darüber wird noch spekuliert. Die Veranstalter waren aber gut vorbereitet und konnten den Ausreißer kurze Zeit später betäuben und ins Gegehe zurück bringen. Edgars zweiten Ausbruchsversuch an gleicher Stelle wurde durch den, jetzt unter Spannung stehenden Elektrozaun jäh unterbrochen. Die Freilassung der beiden Wisentweibchen fand währenddessen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, denn das Wohl der Tiere und der Zuschauer lag den Initiatoren nun doch am Herzen.


In der anschließenden Pressekonferenz appelierte Landrat Paul Breuer an den "Explorergeist" der Menschen. Wie bei jedem anderen Experiment kennt man nie seinen genauen Ausgang. Den Mut es dennoch zu wagen haben die Verantwortlichen. Sie wollen dem vom Aussterben bedrohten König der Wälder im Rothaargebirge eine neue Heimat geben. Gemeinsam mit dem stürmischen Egnar beziehen Abitisa, Danga, Gutelaune und fünf weitere Wisente aus verschiedenen Zuchtstationen und Zoos ihr neues Quartier. In dem 88 Hektar großen Waldgebiet oberhalb des Forsthauses Homrighausen sollen die friedlichen Riesen ihre natürliche Scheu vor den Menschen zurückgewinnen und einen Herdenverband bilden. Tiere, welche dennoch zutraulich bleiben, werden zwischen Wingeshausen und Jagdhaus in einem Schaugehege untergebracht und für Touristen zu sehen sein.


Nach der Pressekonferenz gingen die Feierlichkeiten in Bad Berleburgs Bürgerhaus weiter. Als Auftakt las die 13-jährige Katharina Menne ihre selbstgeschriebene Geschichte "Die Rückkehr des Königs" vor. Der WDR berichtete live aus dem Bürgerhaus in der Lokalzeit. Und auch sonst war das Medieninteresse recht groß. In mehreren Diskussionsrunden interviewte Dirk Gläser die Unterstützer, Sponsoren, Professoren und Mitwirkende des Projektes. In der Bevölkerung stößt das Vorhaben auf breite Zustimmung und alle hoffen das es gelingt, eine Trendwende gegen das Artensterben der heimischen Tier- und Pflanzenwelt in NRW einzuleiten.


Außerdem werden diese mächtigen Tiere sicherlich dem Tourismus in Wittgenstein förderlich sein. Bildergalerie


